Der Mecklenburger

Über das Wesen der Mecklenburger berichteten in vergangenen Jahrhunderten Reisende:

"Verdammt phlegmatisch, langsam, kalt und schwerfällig erscheint das Volk, wie es bei diesem Klima, der groben Nahrung und der Pest der Gesellschaft, den Folgen der Leibeigenschaft, kaum anders zu erwarten ist. Der preußische Nachbar pflegt auch den Mecklenburger für so ein bisschen dumm und einfältig zu halten, weil er allerdings weniger gewandt und etwas schwerfällig erscheint und erscheinen muß bei diesem Himmelsstrich und seiner Lebensweise, denn er lebt fast allein dem Ackerbau bei Mehlspeise, Kartoffelbrei, Pferdebohnen und Dünnbier."

Über die Sprache:
"...dabei ist der Mecklenburger aber stolz auf sein Plattdeutsch, ohne welches er auch im Auslande nicht gemütlich sein kann: doch spricht er dasselbe weniger ohrenbeleidigend als der Hamburger..."

Über die Kleidung (die Angaben beziehen sich vor allem auf das südwestliche Mecklenburg):

Das einfache Volk trug zumeist selbstgefertigte Kleidung aus Leinen. Während die Kittel meistens blau gefärbt wurden, ließen die Menschen im Südwesten sie ungefärbt. Daher bekamen sie den Spitznamen "de Griesen" (die Grauen).
Männer trugen ein kragenloses Hemd, eine hüftlange Weste oder den Arbeitskittel, der mit einem breiten schwarzen Gürtel zusammengehalten wurde, darüber eine lange Jacke mit Knöpfen. Die ursprünglichen knielangen Hosen wurden später durch lange Hosen ersetzt.
Ein runder Hut seit Beginn des 19. Jahrhunderts, im Sommer oft ein Strohhut, wurde Ende des 19.Jahrhundert durch den Zylinder verdrängt.

Die Frauen trugen ebenfalls ein kragenloses Hemd, in dem sie auch, genau wie die Männer, schliefen. Darüber ein Mieder oder ein Kittel, ein langer gekräuselter Rock, im Winter auch mehrere, und eine Schürze.
Die Röcke wurden unten mit bunten Bändern besetzt. An der Anzahl konnte man bei unverheirateten Mädchen die Höhe der Mitgift ablesen. Auch die Frauen trugen eine Kopfbedeckung, meist eine Haube, die den ganzen Kopf bedeckte und einen Rüschenrand besaß.
Im Sommer benutzten sie oft auch Strohhüte. Das unbedeckte Haar galt als unschicklich.

Die Kleidung für Sonn- und Feiertags war aus etwas besserem Tuch, aber ebenfalls sehr schlicht. In jüngerer Zeit schmückten sich die Männer gern mit bunten, möglichst glänzenden Westen, die Frauen trugen bestickte Schultertücher.

Lederschuhe oder Stiefel waren früher eine Seltenheit. Man trug sie vor allem zu besonderen Anlässen. Im Sommer liefen die Kinder barfuß, oft auch noch im Winter.
"Das einfache Volk geht nicht in festen, genagelten Schuhen, es schlurft in klappernden Holzpantoffeln daher, die die Strümpfe nicht vor Schmutz und Nässe zu schützen vermögen."
Manchmal, besonders im Winter, stopfte man die Holzschuhe mit Stroh aus, um es etwas wärmer und trockener zu haben.

In einer Akte von 1679 zählt ein Hauswirt auf, was bei einem Brand in seinem Haus vernichtet worden ist. Interessant ist dabei auch die Liste der Kleidung:

An Kleider und Leinen und Betten

Erstlich 4 Mannes Hembde, wie auch 3 Hembder, so dem Knecht gehöret.
Noch 4 Hembde schürtzen, so meiner frawen gehört,
Wie auch 4 über Hembder, der Dienst Dirne 2 Hembder
Noch meinen beiden kleinen Knaben 10 Hembder, wie auch kleine Schürtzen, und ander Kinder Zeüge von Leinen
1 Unter bette und 5 Hauptküßen, mit weißem leinen (bühren)
2 Dischlaken, 2 Handtücher, 1 heeden Laken,
Noch 1 paar grawe Hosen, so mir zugehöret, worin ich noch im Schubsack 5 (Pf) lüb. Gehabt, welche ich zu Picher geho(ben) wie auch 1 paar leinen hosen
Ingleichen dem Knechte ein Newer Huht und 1 paar Hantschuh verbrandt, so ihm zusamen 1 Reichstaler 2 (Pfennige) kostet
Noch meiner Frawen 2 brustleiber
daß eine 1 schwartz Sarßen, so gantz New
daß andere vom Rohten laken

Was an Kleidung gerettet wurde und daher zusätzlich vorhanden war, geht aus dieser Aufstellung natürlich nicht hervor. Vermutlich war es aber nur das Zeug, was die Hausbewohner beim Ausbruch des Feuers gerade anhatten.

Der Vorläufer unserer heutigen Einkaufstaschen und Citybags wird in einem Reisebericht so beschrieben:
"Sie tragen alles, vom Mist bis zum Kohl, in zwei kleinen Körben, die von einem auf ihren Schultern liegenden hölzernen Joch herunterhängen."

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