Die gleichberechtigte Stellung der Frau mit der des Mannes ist erst eine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte. Mag es auch vor vielen hundert oder eher vor über tausend Jahren eine matriarchalisch geprägte Kultur gegeben habe, so war davon in den vergangenen Jahrhunderten nicht mehr viel zu spüren. Einzig vielleicht der Aberglaube an Hexen und die Kräfte "weiser" Frauen lässt noch etwas von ihrem möglichen früheren Einfluß ahnen.
Schon bei der Geburt eines Kindes war ein Junge, besonders wenn es das Erstgeborene war, willkommener als ein Mädchen. Mit einem Jungen war doch der ersehnte Hoferbe da. Zwar konnte der Hof auch an eine Tochter übergehen, aber nur, wenn kein Sohn und auch sonst kein geeigneter männlicher Erbe vorhanden war.
In einigen Gegenden wurden die neugeborenen Söhne mit vier Pferden als Vorspann zur Taufe gefahren, Töchter dagegen nur mit zwei.
Später war es selbstverständlich, dass ältere Mädchen zu Hause blieben, um auf kleinere Geschwister aufzupassen, während die Brüder die Schule besuchen konnten (auch wenn die Bauernjungs davon nicht viel hatten...)
Als Arbeitskraft war die Frau jedoch dem Mann ebenbürtig. In ihren Aufgabenbereich fielen etwa die Hälfte aller Arbeiten; daneben stand sie auch durchaus "ihren Mann" bei schwerer körperlicher Männerarbeit wie dem Dreschen.
Wenn es ums Heiraten ging, waren beide wieder gleichberechtigt, d.h. so besonders viele "Rechte" hatten die jungen Leute nicht. Suchten doch die Eltern den Partner nach sozialer Stellung und Besitz aus.
Sicherlich versuchten die jungen Leute aber, einen gewissen Einfluß bei der Wahl geltend zu machen, wenn sie jemandem besonders zugetan waren. Deshalb machte eine Werbung durchaus Sinn. Junge Männer überreichten ihrer Liebsten Minnegaben. Das waren verzierte Arbeitsgeräte wie Ernteharken, Waschhölzer, Spinnwocken, Webbretter usw.
Bei der Hochzeit selbst erkannte man am Art des Kopfschmuckes (geschlossene oder offene Krone/Kranz), ob die Braut noch Jungfrau war oder "sick hadd beslapen laten".
"Dat is blot dat erst Mal", säd de Buer, dor kreeg sien Fruu veer Wäken nah de Hochtiet 'n Kind.
Einerseits galt eine "beschlafene" Braut als nicht mehr so anständig, andererseits war es fast schon die Regel, die Frau "auszuprobieren", um zu sehen, ob sie Kinder bekommen konnte. Lieber mit einer schwangeren Braut zur Hochzeit als mit einer unfruchtbaren Frau verheiratet zu sein. Denn dass bei ausbleibendem Kindersegen die Frau "schuld" war, wurde vorausgesetzt.
Wurde eine unverheiratete Frau schwanger, ohne einen Mann zum Heiraten zu haben - wobei durchaus der Vater des Kindes heiraten wollte, aber das Paar nicht die Erlaubnis der Obrigkeit bekam, was besonders in den Gutsdörfern häufig vorkam -, war das zumindest nach außen hin eine große Schande. Manch ein Pastor betonte beim Taufeintrag die Geburt eines "Hurenkindes" durch einen auf dem Kopf stehenden Eintrag.
Uneheliche Kinder erhielten, wenn der Vater bekannt war, in der Regel dessen Familiennamen. Meistens überlebten sie aber die ersten Wochen nicht. Ob daran mangelnde Zuwendung, bedingt auch durch die harte Arbeit der unehelichen Mutter, bis hin zu gezielter Vernachlässigung schuld war, lässt sich nur vermuten.
Uneheliche Kinder jedenfalls, deren Eltern einige Zeit später noch heirateten (heiraten durften), hatten etwa die gleichen Überlebenschancen wie ehelich geborene Kinder.
Wurden z.B. unverheiratete Leute, die als Paten im Kirchenbuch
Leussow
verzeichnet sind, immer als Sohn oder Tochter des Vaters Soundso bezeichnet, war eine Frau vom Moment ihrer Hochzeit an zum Mann gehörig. So erschien z.B. Ann Stien Brumm dann nicht mehr als Tochter des Hauswirts Hinrich Brumm, sondern als Frau des Büdners Jochen Schmidt.
Nur in den ältesten Eintragungen des Kirchenbuchs, etwa von 1670 bis 1690, werden die Patinnen grundsätzlich mit ihrem Geburtsnamen genannt, ohne einen Hinweis auf Vater oder Ehemann. Ob das aber ein Hinweis auf eine noch vorhandene selbstbewusstere Stellung ist, muß bezweifelt werden, zumal im benachbarten Kirchspiel Conow auch um diese Zeit eine Frau nie auf diese "unabhängige" Weise genannt wurde.
![]() |
Wer dann in der Ehe aber wirklich das Sagen hatte, lässt sich sicher nicht allgemein festlegen. Das dürfte früher genauso wie heute gewesen sein... "Ick segg nix", säd de Buer, "mien Fruu steiht achter mi." |
Wurde eine Frau Witwe, so heiratete sie möglichst bald wieder. Waren kleine Kinder im Haus, musste nicht unbedingt das Trauerjahr abgewartet werden.
Das galt, solange jüngere Kinder zu versorgen waren, auch für verwitwete Männer. Der zweite Mann wurde dann auf dem Hof bzw. der Büdnerei oder Häuslerei Zwischenwirt, bis ein Erbe aus erster Ehe alt genug war, um den Hof zu übernehmen. Gab es keine überlebenden Kinder aus der ersten Ehe, so konnten die Kinder aus zweiter Ehe, soweit vorhanden, erben.
Auch für einen Zwischenwirt war solch eine Heirat attraktiv, konnte doch auf diese Weise auch ein jüngerer Bauern- oder Büdnersohn eine Familie gründen und musste nicht als Knecht arbeiten. Auch hatte er im Alter Anspruch auf das Altenteil.
So kam es relativ häufig zu Ehen zwischen älteren Witwen und 20 bis 30 Jahre jüngeren Männern. Starb diese ältere Frau bald, konnte der immer noch recht junge Mann dann eine gleichaltrige Frau heiraten und selbst Kinder haben.
"Glück möt einer hebben", seggt de Buer, donn stürw sien Fruu un kalwt sien Kauh.
Nur selten blieb eine Witwe unverheiratet, nämlich meist dann, wenn der älteste Sohn kurz vor der Volljährigkeit stand und damit der Hof auf ihn übergehen konnte.
Ein verwitweter älterer Mann dagegen musste nicht unbedingt mehr heiraten, wenn der Hof durch weibliche Arbeitskräfte - Töchter, Mägde, Schwiegertöchter- versorgt werden konnte.
"As mien Kauh krepierte, da kem ok nich ein von mien Nahwers un wull mi sien Kauh oder Kalw gäben", säd de Buer, "nu oewer mien Fruu storben is, will mi jeder sien Dochter ansnacken."
Wenn es ans Sterben ging, waren Mann und Frau wieder gleichberechtigt. Die Kosten betrugen das Gleiche, ungeachtet des Geschlechtes.
"Dat Beste haalt de Düwel ümmer tauierst", säd de Buer, "gistern de Kauh un hüüt de Großmudder."
Ein Unterschied in der Stellung der Frau in Südwestmecklenburg zu anderen Gebieten zeigt sich womöglich in manchen Bräuchen. Während für die Ausrichtung vieler Feste sonst die unverheirateten Männer zuständig sind, übernehmen im Südwesten das die unverheirateten jungen Mädchen.
Bis ins 20.Jahrhundert hinein übten die Frauen auf dem Dorf normalerweise keinen eigenen Beruf aus, sondern kümmerten sich um den Haushalt und die Kinder und arbeiteten auf dem Hof oder im Handwerksbetrieb mit.
Ihr normaler Arbeitstag ging über 12 bis 14 Stunden, in der Erntezeit betrug die Arbeitszeit oft 17 bis 18 Stunden.
![]() |
Die Frauen waren für die Hälfte der anfallenden Arbeit zuständig. Sie pflanzten und ernteten Zwiebeln und Kartoffeln, banden bei der Getreideernte die Garben, halfen beim Heumachen, kümmerten sich um den Garten, machten die Wäsche, nähten und flickten, spannen und webten (wobei das Weben manchmal von den Männern übernommen wurde), versorgten das Geflügel und oft auch die Schweine, kochten, buken Brot, halfen beim Schlachten, legten Vorräte an, stellten Kerzen und Seife her und noch vieles mehr. |
Wenn die harte Tagesarbeit erledigt war, mussten die Frauen noch den Haushalt versorgen.
"Reinlichkeit is dat halw Läben!", seggt de Buerfruu, donn fägt sei den Disch mit'n Bessen aff.
Oft saßen sie bis in die Nacht über Flickarbeiten und schliefen dabei ein.
Dat is ok ne Kunst, säd de oll Frau, dunn hadd sei den Flicken neben dat Lock sett.
Technische Neuerungen kamen meist den Männern bei deren Arbeit zu gute.
Zum Waschen benutzte man früher ein Faß, das auf einem dreibeinigen Schemel stand. Die Wäsche wurde eingefüllt, darüber breitete man ein Tuch, auf das zwei Eimer Buchenasche gekippt wurden. Dann goß man Wasser über die Asche, zuerst kaltes, dann warmes und zum Schluß kochendes Wasser. Wenn die Wäsche einige Zeit eingeweicht war, ließ man die Lauge durch eine Öffnung im unteren Teil des Fasses auslaufen. Mit einem paddelförmigen Stock wurde verhindert, dass die Wäsche dabei den Auslauf versperrte.
Die Lauge wurde aufgefangen, nochmals erhitzt und wieder über die Asche gegossen. Dieser Vorgang wiederholte sich so oft, bis die Asche ausgelaugt war. Diese Prozedur erstreckte sich über 12 bis 24 Stunden.
![]() |
Danach wurde die Wäsche möglichst in fließendem Wasser gespült (muß im Winter besonders schrecklich gewesen sein!), ausgewrungen und zum Bleichen in die Sonne gelegt oder aufgehängt.
|
Der Garten spielte im Laufe der Zeit eine immer wichtigere Rolle bei der Versorgung der Familie.
Männer und Frauen gruben gemeinsam um, aber die restliche Arbeit war Sache der Frauen.
Der Garten wurde in kleine Stücke eingeteilt und mit Gemüse bepflanzt. Dabei herrschten neben Kohl Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und später auch Kartoffeln vor. Erst um 1900 wurden auch Gurken, Wurzeln (Karotten) und Salat angebaut.
Das Pflanzen von Obstbäumen wurde schon im 17. Jahrhundert von der Obrigkeit gefordert, um den Menschen eine zusätzliche Nahrungs- und Einkommensquelle zu erschließen. Besonders Apfel- und Zwetschenbäume wurden gesetzt, daneben auch Birnen und gelegentlich Kirschen, Pfirsiche und Nussbäume.
An Kräutern fand man Petersilie, Dill, Thymian, Minze und Salbei in den Gärten.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Bauersfrauen auch Blumen anzupflanzen. Dabei beschränkten sie sich auf anspruchslose, pflegeleichte Sorten.
Gemüse und Obst wurden frisch oder getrocknet gebraucht, Gemüse salzte man auch ein oder stellte aus Weißkohl Sauerkraut her.
Besonders getrocknetes Obst (Backobst) wurde auch in die Städte verkauft.
Erst mit der "Erfindung" des Rübenzuckers im 19. Jahrhundert wurde die Herstellung von Marmeladen und süß eingemachtem Obst möglich.
Das Bereiten der Mahlzeiten war allein Sache der Frauen.
Vor der Einführung der Kartoffel, die erst im 19.Jahrhundert ihren Siegeszug antrat, gab es vor allem Getreidebreie, Gemüse -dabei in erster Linie Kohl- und wenig Fleisch.
Eintopfgerichte (Mangkakt Äten) konnten gut vorbereitet werden und ließen sich mehrmals aufwärmen. Diese Zeitersparnis kam den Frauen für andere Arbeiten zu Gute.
Ausführlicher wird über die Mahlzeiten auf der Seite "Essen und Trinken" berichtet.
Auch das Brotbacken war Aufgabe der Frauen, denn Bäcker gab es auf dem Dorf nicht.
Gebacken wurde in der Regel nur einmal in der Woche.
Manchmal hatte nicht jeder Hof einen eigenen Ofen. Dann benutzten mehrere Familien einen Ofen gemeinsam.
Das Anheizen des Ofens war ausnahmsweise mal Männersache. Gegen 3 Uhr morgens wurde Feuer gemacht, ab etwa 6 Uhr konnte dann mit dem Backen begonnen werden.
Die Frauen brachten in festgelegter Reihenfolge die vorbereiteten Brotlaibe. Um sie unterscheiden zu können, markierte jede Frau ihre Laibe mit einem speziellen Zeichen oder Buchstaben.
Lange Zeit kannte man nur hartes, grobes Roggenbrot. Weißbrot gab es nur an besonderen Festtagen.
Kuchen kam erst um 1900 auf. Dabei nutzte man die Restwärme des Ofens nach dem Brotbacken, um Topf- oder Blechkuchen (Platenkuchen) zu backen, aber auch nur für Feiertage, zunehmend auch für Sonntage.
Um die Gesundheit der Frauen wurde sich wenig gekümmert, auch nicht während einer Schwangerschaft. Dabei waren die Frauen der Landarbeiter und Häusler gegenüber den wohlhabenderen Bauernfrauen noch mehr im Nachteil:
Bauernfrauen verbrachten die letzten drei Monate vor der Geburt meist im Haus, die "Stille Zeit" genannt. Ärmere Frauen dagegen mussten oft bis zur Geburt ihrer üblichen Arbeit nachkommen. Manchmal wurden die Kinder sogar auf dem Feld geboren. Die ärmeren Frauen mussten bereits nach 6 Tagen wieder die gewohnte Arbeit aufnehmen, während die Bauernfrauen etwa zwei Wochen zur Erholung hatten, bevor sie wieder in der Öffentlichkeit erschienen.
Dabei gab es regionale Besonderheiten, die mit dem Volksglauben zusammenhingen.
Als Folge der harten körperlichen Arbeit während der Schwangerschaft sowie des Mangels an medizinischer Versorgung und der schlechten hygienischen Zustände starben viele Frauen bei der Geburt oder im Kindbett, genauso wie viele Neugeborene.
Die Frauen stillten ihre Kinder oft ein Jahr lang. Die Pflege der Säuglinge wurde der täglichen Arbeit untergeordnet. Wenn eine Frau zur Arbeit auf das Feld musste, ließ sie nach Möglichkeit das Kind bei der Großmutter oder älteren Geschwistern.
Dat is Jungheit, säd de oll Frau, dunn sprüng sei äwer'n Strohhalm.
War keine solche Hilfe vorhanden, musste die Mutter den Säugling mit zur Arbeit nehmen.
Die Kinder wurden sehr früh an die Erwachsenennahrung gewöhnt, was auch mit zur hohen Kindersterblichkeit beitrug. Es war keine Zeit, um besondere Nahrung zuzubereiten oder sich besonders um die Kinder zu kümmern.
Die Erziehung bestand vor allem darin, den Kindern Bescheidenheit, richtiges Verhalten ("gute Manieren") und Respekt vor den Eltern und älteren Leuten beizubringen.
Wir könnten wie Brüder leben, sagte der Junge, aber der Olle will ja nich.
Ein zu enges Verhältnis zu den Eltern war nicht angestrebt. Die Kinder mussten allein klarkommen können.
Dem Ollen is nich zu trauen, sagte der Junge, da hielt der Vater den Stock hinterm Rücken.
![]() |
Mit etwa 6 Jahren begann die Schule, mit 14 Jahren wurde sie spätestens beendet. Vor allem im Sommer fand aber oft kein Unterricht statt, weil die Kinder bei der Arbeit gebraucht wurden. |
Die Mädchen lernten, neben der Hilfe im Haushalt, das Geflügel zu versorgen. Oft versäumten sie auch den Schulunterricht, weil sie auf jüngere Geschwister aufpassen mussten.
Nach der Konfirmation mussten die Jugendlichen Erwachsenenarbeit verrichten und halfen entweder auf dem elterlichen Hof oder gingen als Knecht oder Magd zu anderen Bauern.
Körperpflege spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die tägliche Reinigung beschränkte sich auf Gesicht und Hände. Seife wurde selten benutzt, Zahnpflege war unbekannt. Während der warmen Jahreszeit genügte ein gelegentliches Bad im Bach oder See, ab und zu badete man auch in einem Bottich. Das galt gleichermaßen für Kinder wie für Erwachsene.
Reinlichkeit ist das halbe Leben, sagte die oll Fru und drehte alle vier Wochen ihr Hemd um.
Alle Familienmitglieder halfen bei der Ernte.
Während die Frauen für das Pflanzen, die Pflege und die Ernte der Kartoffeln und Zwiebeln zuständig waren, gehörte das Vorbereiten der Getreidefelder, die Aussaat und das Schneiden des Korns zu den Aufgaben der Männer. Jeweils eine Garbenbinderin folgte einem Mäher. Zum Schutz vor den harten, stacheligen Halmen trugen die Frauen weiße Leinenschürzen und Kleider mit langen Ärmeln.
Auch beim Aufstellen der Hocken und beim Aufladen der Garben halfen die Frauen mit, ebenso bei der Heuernte.
Das Dreschen war ebenfalls nicht reine Männerarbeit. Auch hier mussten die Frauen mithelfen, früher mit speziellen Dreschflegeln für Frauen; später, nach Einführung der Dreschmaschinen, mussten sie die Spreu unter der Maschine hervorharken.
Schlachtzeit bedeutete zwar viel zusätzliche Arbeit, trotzdem freute sich jeder darauf, denn dann gab es reichlich zusätzliche Nahrung und viel frisches Fleisch für die sonst meist mit eingesalzenem oder geräuchertem Fleisch zubereiteten Mahlzeiten.
Meist wurde im Winter geschlachtet, kurz vor Weihnachten und noch einmal im Februar.
Oft bezahlte man einen Schlachter dafür, früher erledigte der Bauer diese Arbeit jedoch selbst oder bekam Hilfe durch einen besonders geschickten Nachbarn.
Nachdem das Schwein getötet worden war, wurde es mit kochendem Wasser übergossen, sauber geschabt und der Länge nach in zwei Hälften geteilt. Zum Abkühlen hängte man die Hälften in die kalte Winterluft.
Anschließend teilte der Schlachter das Fleisch weiter auf . Ein Teil wurde zur frischen Verwendung beiseite getan, der Rest wurde eingeteilt in Schinken, Speck, Wurstfleisch und Pökelfleisch.
Nachdem die Männer das Wurstfleisch grob zerkleinert hatten, mahlten die Frauen es noch feiner und bereiteten den Wurstteig vor.
| Man stellte Mett-, Leber- und Lungenwurst her. Wenn die Wurstmasse in die gereinigten Därme gefüllt war, wurden die Würste gekocht und/oder geräuchert. "Ick holl dat mit'n kort Gebet un 'ne lange Mettwurst", säd de Buer. |
|
Die Versorgung der Hühner war immer Aufgabe der Frauen. Auf größeren Höfen übernahm oft eine Magd diese Arbeit, sonst war es Aufgabe der Hausfrau oder einer größeren Tochter.
Während die Hühner im Sommer das meiste Futter selbst fanden, mussten sie im Winter gefüttert werden.
Die Gänse wurden im Sommer in einer Herde ausgetrieben und von den kleineren Jungen gehütet.
Die Schlachtung und das Rupfen der Gänse übernahmen wieder die Frauen. Sie sortierten auch die Federn nach ihrem Verwendungszweck für Kissen und Decken.
Auch die Schweine wurden meistens von den Frauen versorgt. Sie bekamen außer Kartoffeln die Küchenabfälle und das Abwaschwasser. Im Herbst trieb man sie gern zur Mast in die Wälder.
"Dat kümmt wedder", säd de Buerfruu, donn fauder se ehr Schwien mit Speck.
![]() |
Das Füttern der Kühe und das Melken übernahmen ebenfalls die Frauen, ebenso die Bereitung von Butter und Käse. Manchmal war es üblich, das die Frauen den Überschuß an Eiern, Butter und Käse verkauften und das Geld zur eigenen Verwendung behalten konnten. |
Quelle für den Abschnitt "Frauenarbeit": Becker/Lübeck/Schweikert, Aus der Arbeit der mecklenburgischen Landfrau, Historisches Museum Schwerin 1989, nach der englischen Version "The Life of a Farm Woman", ed. by C.G.Bowen