Essen und Trinken

Das Essen war zu jeder Zeit sehr einfach.
Bevor um 1730 die Kartoffel in Mecklenburg eingeführt wurde, lebten die Menschen vor allem von Getreidebrei und Brot.
Dat's n annern Kurn, säd de Möller, dor beet he up'n Muskötel.
Fleisch gab es nur an Festtagen. Trockenobst kam erst im 18. Jahrhundert dazu. Kohl, auch als Sauerkraut, gehörte ebenfalls zum Speiseplan. Bäter ne Luus in Kohl as goor keen Fleesch!
Daneben wurden in geringem Umfang auch Milchprodukte und Salzheringe gegessen. Dat smeckt doch nah Fleisch, säd de oll Frau un stek en Tunpahl ünnern Ketel; dor hadd ne Kreih up seten.

Ein Speiseplan von einem Gutshof, wohl im 19. Jahrhundert, für Knechte, Mägde, Tagelöhner usw., der so ähnlich wohl auch auf dem Bauernhof galt:

Montag: morgens Melksupp (Milchsuppe) dick, ungezuckert mit Magermilch
Mittags Arwtensupp (Erbsensuppe) mit Kartoffeln u. Hammelfleisch
Abends Arwtensupp aufgewärmt

Dienstag: morgens Melksupp
Mittags Kartoffeln mit Schausterstip (Specksoße)
Abends Bratkartoffeln

Mittwoch: morgens Melksupp
Mittags Bohnensupp mit Hammel- oder Kalbfleisch
Abends Bohnensupp aufgewärmt

Donnerstag: morgens Melksupp Mittags Pelltüffeln mit Hering Abends Bratkartoffeln Freitag: morgens Melksupp
Mittags Kohlsupp
Abends Kohlsupp aufgewärmt

Sonnabend: morgens - na? Richtig: Melksupp
mittags Tüftensupp mit Speck
abends Tüftensupp aufgewärmt

Für Sonntags schweigt sich der Speiseplan aus. Da gab es vermutlich etwas besseres Essen.

So pflegte meine Oma Tilli zu sagen:
Man gut, dat wi di un die groten Katüffeln hebben, sonst müssten wi all die kleinen äten.

Ein anderer Plan beschreibt es so:
"Im Sommer wird fünfmal gegessen, Morgenbrod, Kleinmittag, Mittag, Abendbrod, Nachkost; im Winter nur dreimal. Schwarzes Roggenbrod, Kartoffeln, Milch-und Mehlspeisen, Backobst, Kohl, Erbsen, Bohnen, Saubohnen, Schwein-und Gänsefleisch, eingepökelt oder geräuchert, sind gewöhnliche Speisen... Zweimal in der Woche, sonntags und mittwochs, wird gekocht und Fleisch gegessen, an den übrigen Tagen wird das Essen aufgewärmt... wird schon zum Morgenbrod brauner Kohl, Erbsen in Bier, Kartoffelsuppe, Graupen in Milch, aufgewärmt, verspeist... Wasser hält man für ungesund. Jeder sehnt sich nach Bier...Das sauer gewordene wird hin und wieder in eine Tonne neben dem Feuerherde gegossen, um sofort Essig zu den Speisen zu haben."
Nach Redieck/Schade, Swartsuer frät de Buer, s. Literaturliste

Gegessen wurde an einem Tisch, an dem sich alle Hofbewohner versammelten. Männer und Frauen saßen getrennt und nach Wichtigkeit ihrer Arbeit geordnet. Kinder und zuweilen auch Jungmägde standen am Tisch, Kinder saßen manchmal auch abseits auf irgendwelchen Sitzgelegenheiten.
Oft wurde aus einer Schüssel gegessen, manchmal sogar von allen gemeinsam ein Holzlöffel benutzt.
"Dat find't sick all bie't Utfägen", seggt de Buer, dor swemmt 'n Slarpen in de Supp.
Als Geschirr benutzte man ursprünglich einfaches Keramikgeschirr, Holzbretter als Teller, selbstgeschnitzte Löffel und Messer. Später kam dann Zinngeschirr auf.
In einem bäuerlichen Inventar von 1794 wird ganz genau aufgezählt, was an Essgeschirr vorhanden ist: 1 zinnerne Butterschüssel, 2 Bierbecher, 6 erden (Keramik) Schüsseln, 4 erden Teller, 6 höltzerne Löffel, 1 Bierkrug.
Solang de Minsch ett, solang läwt he noch.

Fleisch und Wurst wurde entweder gepökelt oder in den Rauch gehängt, um es haltbar zu machen.
Daran muß er sich gewöhnen, sagte die oll Fru und zog dem Aal die Haut ab.

Brot wurde einmal in der Woche gebacken. Normalerweise gab es nur saures, dunkles und hartes Roggenbrot. In Notzeiten wurde das Mehl auch schon mal mit Eichelmehl (da mussten dann auch die Schweine darben), Rinde oder Lindenknospen gestreckt.
De Maden in't Hartbrot, dat wier de Botter dorto.
Weizenbrot, die beliebten "Stuten", gab es nur an Festtagen.
Lang hungern is keen Brotsparen!

Zu trinken gab es außer Wasser, das nicht sehr beliebt war (kein Wunder, wenn es mit toten Katzen und vergammelten Ratten aromatisiert ist, die sich schon mal im Brunnen anfanden), besonders Bier. In den Dörfern braute jeder Bauer, trotz Verbot von offizieller Seite, selbst. In den bäuerlichen Inventaren werden auch immer ein oder zwei Biertonnen aufgeführt.
Jedes Dorf besaß normalerweise aber auch einen Krug.
Branntwein kam in 16. Jahrhundert nach Mecklenburg und trat, besonders auf dem Land, seinen manchmal verheerenden Siegeszug an. Ursprünglich aus Getreide ("Korn"), später aus Kartoffeln oder sogar Rüben hergestellt, konnten sich sogar Tagelöhner ihr tägliches Quantum leisten.
Wat bruken wi Alkohol, säd Johann, solang wi Bier un Brandwien hebben.
Milch wurde dagegen kaum getrunken, sondern eher zu Suppen, Sauermilch oder Buttermilch verarbeitet.
Kaffee kam erst spät auf. Meist wurde Ersatzkaffee getrunken aus Zichorienwurzeln (Zigurn = Wegwarte), oder aus geröstetem Getreide. "Das schmeckte dann nicht die Bohne nach Kaffee." Meine Oma Tilli trank gerne die moderne Version, den "Carokaffee".
Später gab es dann auch echten Kaffee, der an Festtagen auf den Tisch kam. Ein Reisender berichtet: " Die Leute trinken Unmengen von Kaffee und nehmen wohl deshalb keinen Schaden davon, weil sie mit einer ebenso großen Menge Branntwein nachspülen." Prost, un wenn't mien Leben kost!

siehe Literaturliste, Redieck u. Schade, Swartsuer...

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