Bemerkungen zur Geschichte der Bauern in Südwestmecklenburg

Die Gegend im Südwesten Mecklenburgs war um 1200 von Wenden, den Obotriten, besiedelt. Sie lebten in kleinen Dörfern, bearbeiteten den leichten, sandigen Boden mit dem hölzernen Hakenpflug und hielten auch etwas Vieh.
Ab etwa 1200 kamen holländische und deutsche Siedler, vor allem aus Westfalen, ins Land.

Die deutschen Einwanderer bekamen vom Landesherrn, der den wendischen Stammesfürsten besiegt hatte (besiegt hatten wohl eher die deutschen Krieger die wendischen) Land zugewiesen, sogenannte Hufen. Diese Hufen hatten keine festgelegte Größe, sondern die Größe richtete sich nach der Bodengüte und die dadurch zu erwartende Erntemenge.
Die ansässigen Wenden wurden teilweise von ihrem Land vertrieben und bearbeiteten nun die am Rand liegenden Äcker, auch Wendenflur genannt. Die deutschen Siedler bauten sich manchmal neue Dörfer, manchmal errichteten sie ihre Häuser auch in den wendischen Siedlungen.

400 Jahre lang arbeiteten die Menschen auf ihren Feldern, zahlten Steuern auf die Erträge, gaben dem Landesherrn und der Kirche den Zehnten.

1621, zu Beginn des 30jährigen Krieges jedoch, brauchten Landesherr und Rittergutsbesitzer Geld, um die Kriegskosten zu decken. Woher nehmen und nicht stehlen? Also doch stehlen:

Jeder Bauer, der sein Besitzrecht an Hof und Land nicht urkundlich, also schriftlich, nachweisen konnte, wurde zum Pächter erklärt. Und welcher Bauer hatte schon eine 400 Jahre alte Urkunde in der Truhe liegen? Abgesehen davon, dass die meisten Menschen in der Zeit sowieso nicht lesen und schreiben konnten.

Von nun an besaßen die Bauern nur noch die bewegliche Habe, also Möbel, Haushaltsgegenstände, Ackergeräte - die sogenannte Hofwehr - sowie das Vieh.
Im Laufe der Zeit wurde den Bauern das Besitzrecht an der Hofwehr abgesprochen, sie mussten sich aber um die Instandhaltung und Erneuerung ihrer Geräte kümmern. Der Erhalt und der Neubau von Häusern gehörte jetzt zu den Pflichten des Landesherrn oder des Rittergutsbesitzers, des Junkers.

Der 30jährige Krieg forderte auch in der Griesen Gegend seine Opfer. Immer wieder fielen marodierende Soldaten der verschiedenen Kriegsgegner über die Dörfer her, plünderten, brandschatzten, vergewaltigten und töteten. Sie raubten den Bauern Vorräte und Vieh. Viele Menschen fielen im Laufe der Jahre auch Seuchen zum Opfer. Etliche ließen Hof und Haus zurück und flohen in die Städte. Besonders häufig hören wir nach dem Krieg, dass die Bewohner der Dörfer sich noch in Hamburg, Ratzeburg und Lübeck befanden.
Manche Dörfer lagen um 1651 noch zur Hälfte in Schutt und Asche und konnten erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte wieder besetzt werden.

Im Südwesten gehörte das meiste Land dem jeweiligen Landesherrn, dem mecklenburgischen Fürsten. Dieses Gebiet wurde Domanium genannt. Im Gegensatz zu den Gutsherren behandelte der Landesherr die Bauern etwas besser. Der Hof wurde normalerweise an den Erben weiterverpachtet, es sei denn, dieser war ein Faulpelz oder unfähig, den Hof vernünftig zu bewirtschaften. Oder der Erbe war noch zu jung. Dann bestimmte der Landesherr einen anderen Pächter - meist einen Verwandten des gestorbenen Bauern. Bei einem unmündigen Erben wurde nur ein Zwischenwirt, ein Interimswirt, eingesetzt, der den Hof bis zur Volljährigkeit des Erben bewirtschaftete. Meist heiratete die Witwe diesen oftmals um viele Jahre jüngeren Interimswirt.

Trotzdem blieb eine ständige Unsicherheit und dementsprechend neigten die Bauern, die jetzt Hauswirte genannt wurden, zu nachlässiger Arbeit. Es gehörte ihnen ja weder das Land, das sie bearbeiteten, noch das Haus, und auch von ihren Erträgen mussten sie immer höhere Steuern entrichten.

Ein Reisender beschreibt es so: "Gelingt es uns glücklich, an den Hunden vorbei zu kommen, so sind wir deswegen noch nicht im Hause angelangt, unterwegs können wir leicht irgendwo auf dem Dung versinken. Denn der lagert auf dem ganzen Hofe, ist hier und da zu Bergen aufgetürmt, die bis zu den Fenstern reichen, verdeckt anderswo tiefe Gruben und Lachen und Pfützen, die nur der Eingeweihte sicher vermeiden kann. Tierkadaver sind dort verscharrt (oder auch nicht verscharrt), Abfälle von Gemüse, Knochen und Kehricht liegen bunt durcheinander.
Der Bauer muß zuweilen erleben, dass sein eigener Wagen auf dem Hofe stecken bleibt; nach Einbruch der Dunkelheit wagt der Nachbar nicht mehr, den Nachbarn zu besuchen, und nach anhaltendem Regenwetter ist für den Fremden selbst am Tage der Platz nicht zu durchschreiten.

Es ist ein Glück, dass die Höfe ziemlich weit voneinander getrennt liegen und die frische Luft bei jeder Windrichtung darüber hinwegstreichen kann, sonst wohnten die Bauern mitten im Pesthauch des Sumpfes. Kalte Fieber, Wechselfieber, Faulfieber ... verschwinden gar nicht aus dem Orte und plagen das Alter und bringen manchen Jungen um die Lebensfrische.
Mitten zwischen diesem wüsten Durcheinander steht der Soot, der Brunnen; die schräge Schwenkstange ragt hoch in die Luft, eine dünne Stange hängt herab und trägt den Schöpfeimer. Die Einfriedung ist sehr undicht und morsch, es ist vorgekommen, dass eine Katze hineingestürzt ist in den Brunnen und ertrunken, und man hat es wochenlang nicht beachtet [hineingefallene Menschen hat man jedoch wieder herausgeholt], ertrunkene Ratten bringt der Eimer nicht gerade selten herauf..."


Das ist sicher eine etwas überspitzte Beschreibung, und es ging vielleicht auch nicht überall ganz so wüst zu.

"Nee, Mudder, de Swienerie in de Stadt is doch to grot, het de Jung seggt: Dor snuuben s'sick de Näs in't Dok un nähment mit nah Hus!"

Die Unverschämtheit der Regierenden gipfelte in der "Gesinde-Tagelöhner-Bauer-Schäffer-Tax-und Victual-Ordnung" von 1654. Darin wurden die Bauern schriftlich zu Leibeigenen erklärt.
Kein Mensch durfte sich jetzt noch ohne Genehmigung seines Besitzers in andere Gegenden begeben, schon gar nicht dahin umziehen. Der Bauer war mit seiner ganzen Familie an den Hof gebunden, er gehörte sozusagen zum Inventar, und konnte mit dem Hof verkauft werden.
"Mit Verlööw", säd de Eddelmann un nimmt den Buuren de Koh ut'n Stall.
Besonders die Gutsherren, die den Hals mit Acker-oder Weideland nicht voll kriegen konnten, siedelten Bauern aus einem Dorf in ein anderes oder auf ihren Gutshof um, machten aus ihnen Tagelöhner und ließen den alten Bauernhof abreißen. Das war das sogenannte Bauernlegen. 1755 wurde das Recht zum Bauernlegen ausdrücklich gestattet. Die meisten Bauerndörfer in den ritterschaftlichen Gebieten verschwanden so innerhalb von 200 Jahren.
"Wat is dat för'n Elend", säd de Buer, "wenn de rieken Lüüd keen Geld hebben."
"De Lüüd", seggt de Eddelmann to sienen Inspekter, "bruuken S' nich to schonen, dee kosten keen Geld. Oewer mien Pierd' nähmen S' jo got in acht, dat is 'ne düüer Wor."

Wollte ein Paar heiraten, benötigte es ebenfalls die Genehmigung des Besitzers. In den ritterschaftlichen Gebieten wurde normalerweise nicht erlaubt, dass jemand aus dem Besitz des Gutsherrn A jemanden aus dem Besitz des Gutsherrn B heiratete, es sei denn, es fand sich auch ein Paar als Gegenstück. Die Gutsherren wollten auf keinen Fall ihre Arbeitskräfte verlieren.

Viele Menschen flohen in die Städte ("Stadtluft macht frei") oder in angrenzende Länder, aus der Griesen Gegend oft nach Sachsen-Anhalt. Wehe aber dem, der wieder eingefangen wurde! Das mindeste war eine schreckliche Prügelstrafe, die nicht alle überlebten.
Ab 1820/21 endlich wurde die Leibeigenschaft in Mecklenburg aufgehoben, als letztes in ganz Deutschland. Die Lage der Bauern verbesserte sich dadurch etwas, konnten sie doch jetzt den Hof theoretisch kaufen. Das war den meisten aber unmöglich, da sie nicht genug Geld besaßen. Um 1870 wurde auch die Erbpacht eingeführt, d.h. der Erbe des verstorbenen Pächters hatte sozusagen ein Vorpachtrecht. Das gab den Menschen die Sicherheit, dass die Früchte ihrer Arbeit in der Familie blieben.



Dienste

Von Anfang an waren die Bauern zu Spanndiensten verpflichtet. Das bedeutete, dass sie an einigen Tagen im Jahr dem Landesherrn bzw. Rittergutsbesitzer mit Zugtieren (Pferden oder Ochsen), Wagen und Personal helfen mussten. Dabei konnte es sich um die Feldbestellung (Pflügen, Säen usw.), Ernte, Holz- oder Getreidefuhren oder um Arbeit bei der Ausbesserung der "Straßen" handeln.
Waren es erst nur einige Tage im Jahr, steigerten sich die Dienste bis etwa 1750 auf 6 Tage in der Woche (im Gebiet der Ritterschaft).
"Wenn't de Paster man nich süht, mit unsen Herrgott will'ck woll fardig warden", säd de Buer, dor makt hei sien Heu an'n Sünndag.
Im Domanium, also auch in der Griesen Gegend, hatten die Bauern mehr Glück. Ihre Dienste waren sehr viel geringer, dafür mussten sie Dienstgeld bezahlen. Erst ab etwa 1770 wurden die Dienste allmählich abgeschafft.



Hauswirt

Hauswirt wurde der Bauer genannt, der einen Hof gepachtet hatte. Zu diesem Hof mitsamt Nebengebäuden gehörte eine größere Menge Land, die Hufe. Außer den Hüfnern (Vollhüfnern) gab es auch Halb- und Viertelhüfner.
Die Hauswirte gehörten zur Oberschicht des Dorfes, denn sie waren vergleichsweise "wohlhabend".

Mein Vorfahr Peter Schmidt senior, ein Halbhüfner, hatte folgenden Viehbestand:
1693 nach Übernahme einer wüsten Stelle: kein Vieh (ob er den Pflug selbst hat ziehen müssen?)
"Dat schafft nich dull, oewer dat snüfft doch gaut", hadd de Buer seggt, donn hadd hei 'ne Soeg vör de Plaug spannt.

1694: 2 Rinder
1703: 2 Pferde, 3 Rinder, 1 Schaf, 2 Schweine
1707: bleibt er wegen der schlechten Vorspann (Pferde oder Ochsen) von den Fuhrdiensten befreit
"Ossen, drängt juuch nich", hadd de Buer seggt, dor hadd hei man eenen Ossen in'n Stall.

Im Vergleich zu den meisten anderen Hauswirten in Loosen/Ksp. Leussow hat er sehr wenig Vieh. Die anderen Bauern besitzen meistens auch nur 2 Pferde, aber etwa 5-10 Rinder, 5-20 Schafe und 2-3 Schweine.

Zum Viehbestand:

1.Pferde:
Auf jedem Hof hielt man nach Möglichkeit etwa 10 Pferde. Diese hohe Zahl war nötig, um den Spanndiensten nachkommen zu können. In Leussow, wo die Zahl der Spanntage geringer war als in den meisten mecklenburgischen Gebieten, wurden deshalb wohl weniger Pferde gehalten.
Die Tiere waren zwar zäh, aber relativ klein und schwach. Deshalb konnten sie nur für die Wagenspann benutzt werden, nicht für die Feldarbeit.
4-6 Pferde entsprachen 2 heutigen im Spann. Eine gezielte Zucht, um die Leistung zu verbessern, fand kaum statt.
Aus Gehöftsakten wissen wir, zumindest für einige Höfe in Leussow und Göhlen, dass ein Hauswirt zwischen 1730 und 1830 normalerweise 4 Pferde hatte, die zur Hofwehr gehörten. Das heißt, diese 4 Pferde gehörten, wie auch die Gebäude, das Land, das Ackergerät und ein Teil des Hausgerätes nicht dem Bauern, sondern dem Landesherrn. Der Bauer durfte diese Hofwehr nicht verkaufen, sondern war verpflichtet, bei Übergabe des Hofes diese Hofwehr vollständig an seinen Nachfolger zu übergeben.

Manche Hauswirte, vor allem die etwas wohlhabenderen Schulzen, besaßen gelegentlich noch ein oder zwei Pferde mehr.

2.Rinder:
Jeder Hof hielt etwa 4-6 Rinder. In der Griesen Gegend gab es nicht viele Weiden. Der Boden war zu trocken und sandig. Deshalb war Weideland kostbar. Auch Heu gab es dementsprechend nicht genug. Im Winter mussten die Tiere mit Laub gefüttert werden. Deshalb gaben die Kühe auch nicht besonders viel Milch.
"Dat wier Tiet, dat de Kauh stürw", säd de Buer, "dat Fauder wier all."
Zum Milchvieh kamen noch 2-4 Zugochsen. Heute sieht man in Norddeutschland vor allem schwarz-weiße Rinder. Früher gab es in Mecklenburg nur rote und rotbunte, manchmal auch gelbe und graue Tiere.

3.Schafe:
Meistens hielt man nur 3-4 Schafe. Sie reichten aus, um den Eigenbedarf an Fleisch und Wolle zu decken. Da die Schafe genügsam waren, kamen sie mit den schlechten Weidebedingungen gut zurecht. Die Gutsbesitzer und die Pächter von Domanialhöfen hielten dagegen sehr große Schafherden.

4.Schweine:
Etwa 2-4 Schweine gab es pro Hofstelle. Sie wurden auf der Weide oder im Laubwald gemästet, wo sie von Eicheln, Bucheckern, Ebereschen, Nüssen, Wildobst, Pilzen, Beeren, Würmern usw. lebten. Die Waldmast war dem Grundherrn für die eigene Herde vorbehalten. Bauern mussten für ihre Tiere ein Mastgeld entrichten.
"Väl Geschrei un wenig Wull", seggt de Buer un schert de Soeg'.

5.Federvieh:
Außer 5-10 Hühnern mit Hahn hielten die Hauswirte auch 2-4 Gänse mit Ganter. Die Federn waren wichtig zum Füllen der Betten. Auch mussten die Dorfgemeinschaften jährlich eine kleine Anzahl an Gänsen als Abgabe liefern.

6.Bienen:
Vor 1670 tauchten in den Steuerlisten recht häufig ein bis zwei Immenstöcke pro Hof auf. In den Gehöftsakten nach 1730 dagegen werden Bienen so gut wie gar nicht mehr genannt.

7.Ziegen:
Sie erscheinen gelegentlich in älteren Steuerlisten, wo sie als Hoiken bezeichnet werde. In den Gehöftsakten nach 1730 dagegen tauchen keine Ziegen mehr auf.

Jürn Jakob Swehn, eine literarische Figur, die aber typisch ist für die Wirklichkeit, wanderte im 19.Jahrhundert aus Glaisin nach Amerika aus. Er schrieb Briefe an zu Hause, in denen er das Leben in Amerika schilderte und mit Mecklenburg verglich. Über die Schweinezucht sagt er:
Die haben hier auch einen ringeligten Schwanz und sagen öcke, öcke. Aber sonst ist das hier alles anders. In ... einem engen Stall kann man kein Schwein aufziehen. Wir haben das erst auch so gemacht [wie in Mecklenburg], denn wir dachten: das muß so sein, weil es zu Hause so war...Mit dem Mist ist das hier so, dass er nicht so geehrt wird als bei euch, wo jeder Forkvoll in acht genommen wird und die Kinder ihn aufsammeln auf der Straße.
siehe Literaturliste, Jürn Jakob Swehn der Amerikafahrer

Pflanzen:

Um 1700 wurde in der Griesen Gegend überwiegend Roggen, Hafer, Buchweizen und Gerste angebaut. "De Baukweiten is nich eher säker, as bett hei in'n Magen is", säd de Buer, dor föll em de Pannkoken in de Asch.
Kartoffeln wurden um 1730 eingeführt, ihr Anbau wurde zunächst jedoch sehr zögerlich betrieben, denn: Wat de Buer nich kennt, dat frät hei nich.
In den Gehöftsakten des Kirchspiels Leussow tauchen erstmals um 1790 "Potagenhacken", also Kartoffelhacken, auf einem Göhlener Schulzenhof auf. Aber nicht auf jedem Hof waren sie um diese Zeit üblich.
"Winter, klei mi an'n Noors", säd de Buer, as hei sien Tüffeln rin hadd.

Weizen konnte sich nie so recht durchsetzen, obwohl die Nachfrage auf den Märkten zeitweise sehr groß war. Auf Weizenanbau spezialisierten sich die Rittergüter, die für diesen Zweck die meisten Bauern "legten".

In den Gärten zogen die Menschen vor allem Kohl.
Der Obstanbau war früher nicht sehr verbreitet. Erst durch fürstliche Erlässe wurden die Bauern dazu gebracht, vor allem Äpfel-, Birnen- und Pflaumenbäume zu setzen. Aus den Gehöftsakten wissen wir, dass die Hauswirte zwischen 1730 und 1830 etwa 8 Apfel- und Birnbäume und etwa 10 Pflaumenbäume besaßen. Auf einem Gehöft wird die gigantische Zahl von 130 Pflaumenbäumen (neben den üblichen 8 Apfel- und Birnbäumen) genannt.
Andere Obstbäume, wie Kirschen, werden erst im späteren 19. Jahrhundert genannt. Das Obst wurde dann im Backofen gedörrt und so haltbar gemacht. Ein großer Teil konnte in die Städte verkauft werden. Mit der Zeit wurde Backobst zu einem wichtigen Bestandteil in der mecklenburgischen Küche. Bevor im 19. Jahrhundert der Zuckerrübenanbau aufkam, diente Backobst neben dem kostbaren Honig zum Süßen der Speisen. Und Mecklenburger sind bis heute auf süßliche Speisen versessen.

Büdner

Weil es nicht genug Land gab, um allen Bauernsöhnen die Pacht einer Hufe zu ermöglichen, wurden Kleinbauern eingesetzt: die Büdner (auf plattdeutsch Bäudner). Jeder konnte eine Büdnerei beantragen, außer den Bürgern der Städte.
Büdner wohnten in einer "Bude". Das war ein Bauernhaus, das dem Hauswirtshaus sehr ähnlich sah, jedoch viel kleiner war. Dazu hatten sie ursprünglich nur Gartenland und die Weidegerechtigkeit, d.h. sie konnten ihre Kuh (mehr durften sie nicht haben), einige Schweine und Schafe mit der Dorfherde zusammen auf die Dorfweide schicken.
Im Verlauf des 19.Jahrhunderts bekamen sie noch etwas Land hinzu, so dass manchmal der Betrieb groß genug war, um von der Landwirtschaft leben zu können. Sonst mussten sich die Büdner noch etwas dazuverdienen, indem sie ein Handwerk ausübten. Meist war das die Weberei, Flickschusterei oder Schneiderei.

Weil auch sie zu Spanndiensten verpflichtet waren, sie sich aber weder Zugochsen noch Pferde leisten konnten, übernahmen die Hauswirte diese Spanndienste. Dafür halfen die Büdner den Hauswirten bei der Ernte. Manche Büdner spannten auch ihre Milchkuh vor Pflug oder Wagen. Sie wurden dafür verächtlich "Kauhbuern" genannt. Diese schwere Arbeit ließ natürlich die ohnehin schon bescheidene Milchausbeute zurückgehen. Der Spottspruch entstand: "Wer sin Kauh as Ossen vorspannt, möt sin Pir melken." (Wer seine Kuh als Ochsen vorspannt, muß seine Pferde melken.)

Die Büdnereien entstanden auf überschüssigem Gemeindeland oder auf wüsten Hufen (Hufenland, für das sich seit langem kein Pächter gefunden hatte). Besonders erfreut darüber waren die Hauswirte natürlich nicht.
Weil die Hauswirtsgehöfte zusammen lagen und die Büdnereien meist an der Zufahrtsstraße entlang angelegt wurden, entstand die Redensart: "De Hauswirte dei wahnt up de Pann, die Bäudners dei wahnt up den Stähl."

u.a. nach Friedrich Mager (s. Literaturliste), Steuerlisten und Gehöftsakten des Kirchspiels Leussow

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