Die Griese Gegend

Im Südwesten Mecklenburgs bilden die Straße Hagenow-Ludwigslust im Norden, die Linie von Ludwigslust nach Dömitz im Osten und das Gebiet westlich davon bis Lübtheen ungefähr ein Dreieck, das das Gebiet der "Griesen Gegend" etwa umschließt.

Johannes Gillhoff aus Glaisin weiß genau, wo das ist:

"Die Griese Gegend erstreckt sich ungefähr zwischen Elbe und Berlin-Hamburger Bahn... Sie liegt da, wo das Jungvolk nicht gleich zum Kadi läuft. Meinungsverschiedenheiten werden im vereinfachten Verfahren beglichen: ein paar Backenzähne, ein paar Rippen geraten in Unordnung - das ist alles. Nun wissen wir ungefähr, wo die Griese Gegend liegt."

Ihren Namen hat diese Gegend von ihrem grauen Sandboden. Gries = grau war auch die Arbeitskleidung der Bauern. Im Gegensatz zu den gefärbten Kitteln in anderen Gebieten trugen die Menschen im Südwesten ungefärbte, graue Leinenkleidung, wenn sie in andere Gegenden zur Arbeit zogen. So erhielten sie den Spitznamen "de Griesen".



Der Boden ist überwiegend sandig, von einigen Feuchtgebieten entlang der Wasserläufe abgesehen. Deshalb gab es immer wieder große Schwierigkeiten mit dem Flugsand, der Äcker und Dörfer zu wehte und sogar gelegentlich dazu führte, dass Dörfer aufgegeben wurden. Auch der Ertrag der Felder war wesentlich geringer als in den fruchtbareren Gebieten Mecklenburgs. Deshalb hatten die Bauern geringere Abgaben zu zahlen.
Der schlechte Boden war auch nicht gerade verlockend für die adeligen Gutsbesitzer. Darum blieben die meisten Dörfer im Besitz des Domaniums, waren also dem mecklenburgischen Herrscherhaus direkt untergeben. Das verhinderte auch ein Bauernlegen in größerem Umfang, so dass es in vielen Dörfern noch heute die alten Hofstellen gibt.

Zu Beginn der Besiedlung des Landes mit Bauern aus Norddeutschland und Holland, im 13. und 14. Jahrhundert, zogen diese die reicheren Böden vor. So konnte sich die wendische Bevölkerung, die hier seit langer Zeit lebte, noch weiter halten. Angeblich soll es noch im 16. Jahrhundert überwiegend slawische Dörfer in dieser Gegend gegeben haben. Orts- und Familiennamen weisen den wendischen Einfluß nach.

Mit dem Kirchspiel Leussow habe ich mich besonders beschäftigt.

Fritz Reuter schreibt in seiner "Urgeschicht von Meckelnborg-Swerin und -Strelitz" sehr anschaulich über die Entstehung der Griesen Gegend:

As uns' Herrgott de Welt erschaffen ded, fung hei bi Meckelnborg an un tworsten von de Ostseesid her un makte dat eigenhändig farig, up de ein' Sid Ratzeborg un Swerin, up de anner Sid bet Stemhagen un Bramborg, un wis'te sine heiligen Engel, wo 't makt warden müßt, un red'te tau ehr un säd, sei süllen 't so wider maken.
Na, Raphael fung nu bi Nigen-Strelitz un Mirow an, un Gabriel bi Groten-Bäbelin, Serrahn un Krakow, un Michael namm dat Lübtheener Amt un Grabow un Däms, äwer 't würd ok dornah.
-Na, Lihrwark is kein Meisterstück.-
Äwer unsern Herrgott würd dat doch sihr jammern, dat sin gaud Wark so verbruddelt warden süll, un hei rep sei noch mal tausamen un säd: "Nu paßt gaud up! Ik will jug dat nochmal vörmaken." Un dunn makte hei de Räbelsche Gegend un de Lübzsche Gegend un den Parchenschen Sünnenbarg un säd: "Dor nemt jug en Ogenspeigel an!" -
Äwer, was dat nu pure Fulheit, oder was dat blote Dämlichkeit, sei huddelten doräwer hen un muddelten wat taurecht un nemen nich naug Leihm mang den Sand, un karrten den König von Preußen sin Mark Bramborg farig bet Gräfenhainichen un Treuenbriezen, un den König von Hannover sin Lüneborger Heid' bet Gifhorn un Celle; dunn rep äwer uns' Herrgott: "Holt! Stopp! De Sak, de geiht nich! Ji makt mi jo min ganz Dütschland tau Schanden...

aus Fritz Reuter, Urgeschicht von Meckelnborg, s. Literaturliste

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